Sulawesi
Geografie und Bevölkerung:
Sulawesi, auch noch bekannt unter dem ehemaligen Namen Celebes, ist mit ca.
190,000 km² eine der größeren Inseln Indonesiens. Sie liegt zwischen dem
118. und 125 Grad östlicher Länge und dem 2. Grad nördlicher sowie dem 6.
Grad südlicher Breite. Geprägt wird die Insel durch stark zerklüftete
Gebirge mit Gipfeln von bis zu 3450 Metern Höhe, sowie zahlreichen Seen und
Urwäldern. Die Bevölkerung von ca. 14 Millionen Menschen konzentriert sich
daher zum größten Teil auf die Küstenregionen, so dass die Urwälder im
Inneren der Insel noch weitgehend unberührt sind.
Unter den verschiedenen Volksgruppen die Sulawesi bevölkern sind die im
Inneren Sulawesis lebenden Toraja besonders
interessant, da sie sich ihre ursprüngliche Stammesreligion und ihre
alten Riten noch weitgehend unverfälscht erhalten haben. Die Volksgruppen
die an den Küsten Sulawesis siedeln sind weitgehend durch den Islam geprägt,
es gibt jedoch eine größere Minderheit christlichen Glaubens, sowie einige
Stämme die wie die Toraja noch ihren
Naturreligionen anhängen.
Nach der Unabhängigkeit Indonesiens 1949 begann für die nicht dem Islam
anhängenden Volksgruppen eine Zeit der Verfolgung. Der fanatische
Islamist Kahar Muzakkar sollte eigentlich für die
Aufrechterhaltung der staatlichen Ordnung sorgen, löste jedoch mit
seiner Bewegung Dar-us-Islam einen Religionskrieg
aus, der sich nicht nur gegen die Christen auf Sulawesi richtete, sondern
unter dem auch die Toraja zu leiden hatten. Letztere
waren auch in der vorhergehenden Zeit Verfolgungen durch den Stamm der
Buginesen ausgesetzt gewesen und hatten sich daher ins Zentrum Sulawesis
zurückgezogen. Diese Zeit der Verfolgung endete erst nach etwa 20 Jahren.
Von der Hauptstadt der Insel Ujung Padang aus ist
das Land der Toraja (Tana Toraja) über die
wichtigste Straßenverbindung Sulawesis in etwa 8 Stunden erreichbar.
Der lokale Flughafen in der Nähe von Rantepao ist
nicht immer erreichbar und war im Jahre 2000 schon seit einiger Zeit
geschlossen. Der Weg führt am Anfang an der Ostküste Sulawesis entlang bevor
er in die Gebirgsregion Zentral-Sulawesis abzweigt. Auf dem Weg die
Küste entlang bietet sich eine Mittagspause an einem der Restaurants an, die
frische Meeresfrüchte anbieten. Die zerklüfteten, teilweise mit dichtem
Urwald bewachsenen Täler in Zentral-Sulawesi bieten immer wieder
beeindruckende Ausblicke.
An den Küsten Sulawesis lebt die Bevölkerung hauptsächlich vom Fischfang und
im Land der Toraja dominiert der Reisanbau. Touristisch erschlossen ist
neben der Hauptstadt Ujung Padang und dem Land der
Toraja auch noch der Norden der Insel, der als Tauchparadies gilt.
Sprache:
Die einzelnen Volksstämme auf Sulawesi sprechen noch ihre ursprünglichen Stammessprachen, die jüngere Generation lernt zudem die Staatssprache Baha Indonesia sowie in einigen Regionen Englisch. Letzteres ist insbesondere in den touristisch erschlossenen Gebieten stärker verbreitet.
Die Toraja:
Das Volk der Toraja wanderte wahrscheinlich schon vor über 4000 Jahren von
der Küste Südchinas nach Sulawesi ein. Sie waren erfahrene Schiffsbauer und
Seefahrer. An diese Ursprünge als Seefahrer erinnert auch heute noch die
Form ihrer Häuser, deren Dach sehr an die Form eines Schiffsrumpfes
erinnert. Die Toraja zählen ebenso wie die Batak auf
Sumatra und die Dayak auf
Borneo zu den Altvölkern Indonesiens. Sie wurden von
später nachdrängenden Völkern von ihrem ursprünglichen
Siedlungsgebiet an der Küste Sulawesis ins Landesinnere verdrängt.
Dort entwickelten sich die ehemaligen Seefahrer zu Bergbewohnern und zu
gefürchteten Kopfjägern.
Heute hat sich die Kultur der Toraja durch den Einfluss chinesischer und
javanischer Händler, des Islam, der Kolonialzeit und zuletzt des Tourismus
verändert. Die Grundzüge der ursprünglichen Religion sind jedoch erhalten
geblieben. Etwa 50% der Toraja halten noch an ihrer alten Naturreligion
fest und ca. 45% sind von den Holländern zum christlichen Glauben bekehrt
worden. Die übrigen Toraja haben den Islam angenommen. Die Toraja sind keine
Kopfjäger mehr, ihre Totenrituale erscheinen den westlichen Besuchern jedoch
immer noch als grausam. Die Toraja leben überwiegend von der Viehzucht und
der Landwirtschaft, hierbei insbesondere vom Reisanbau.
Sie bauen ihre Dörfern nicht mehr wie noch zu Zeiten der holländischen
Kolonialherren auf unzugänglichen Felsen sondern in direkter Nähe
zu ihren Reisfeldern.
Glaube und Totenkult der Toraja:
Die Toraja glauben an einen allmächtigen Gott der die Welt und die Menschen
erschuf, daher war es einfach sie zum Christentum sowie zum Islam zu
bekehren. Neben diesem Gott existieren für die Toraja jedoch auch Geister
(dewata), die Seelen Verstorbener, die jedes Wesen
und jeden Gegenstand ihrer Umwelt beseelen. Diese
Geister nehmen Einfluss auf das Leben ihrer Nachkommen und müssen durch
Opfergaben ständig bei guter Laune gehalten werden. Als Opfer für die
Geister sind Hühner und Schweine ausreichend, für puang
matua den allmächtigen Gott jedoch müssen Stiere geopfert werden.
Durch diesen animistischen Glauben und die Ahnenverehrung hat sich bei
den Toraja eine besondere Form des Totenkultes entwickelt. Stirbt ein Toraja
so muss seine Seele nach dem Glauben der Toraja so lange als Geist auf der
Erde verweilen bis die Totenriten vollzogen wurden. Bei den Totenfeiern
werden von den Angehörigen zahlreiche Büffel und Schweine geopfert. Durch
möglichst umfangreiche Opfer soll sichergestellt werden dass der
Tote Eingang in den Himmel der Toraja (puya) erhält.
Sind die Angehörigen nicht in der Lage eine angemessene Totenfeier
auszurichten, so wird der Verstorbene vorläufig einbalsamiert im Hause der
Familie aufbewahrt. Dieses kann je nach dem Umfang der Totenfeier, der von
der Kastenzugehörigkeit des Verstorbenen abhängt, einige Monate und
manchmal sogar Jahre dauern.
Erst nachdem alle Totenriten ausgeführt wurden ist der Verstorbene nach dem
Glauben der Toraja endgültig tot und kann dann, sofern er der obersten Kaste
angehörte, in den Felsengräbern der Toraja beigesetzt werden. Diese
Felsengräber werden in senkrechten Felswänden in beträchtlicher
Höhe errichtet. Dazu wird ein Schacht in den Fels getrieben, der den
einbalsamierten Leichnam des Verstorbenen aufnimmt. Neben diesem Schacht,
der auch mehrere Tote aufnehmen kann, befindet sich meist eine in den Fels
geschlagene Veranda auf der hölzerne Puppen
aufgestellt werden, die die Toten repräsentieren. Diese Puppen
(tau-tau) werden regelmäßig mit neuen Kleider
eingekleidet.
Stirbt ein Kleinkind bei den Toraja, so wird dieses nicht in den Felsgräbern
beigesetzt sondern in einem Baum. Dazu wird eine rechteckige Öffnung in
einen Baumstamm getrieben in die die Kinderleiche gelegt wird.
Diese Öffnung wird danach durch eine Türe aus Bambusstangen und Lianen
verschlossen. Diese besondere Form der Bestattung hat sich entwickelt, da
die Toraja glauben dass die Seele des Kleinkindes noch nicht vollständig
entwickelt ist und sie mit dem Baum gemeinsam noch wachsen müsse bevor sie
in den Himmel eingehen könne.
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