Allgemeine Informationen über México
Im Herbst 2002 besuchte ich México und konnte einige Bilder und Eindrücke aus diesem Lande mitnehmen. Neben diesen persönlichen Erfahrungen möchte ich hier jedoch auch einige allgemeine Informationen zum Land und den Reisebedingungen aufführen. Alle Angaben sind selbstverständlich ohne jegliche Gewähr.
Geografie:
México ist das größte Land Mittelamerikas und nimmt mit fast
2 Mio. km² über 78% der Landfläche dieses Teils Amerikas (ca.
2,5 Mio. km²) ein. Es grenzt im Norden an die USA, deren
Bundesstaaten Utah, Nevada, Texas,
New México, Arizona und Kalifornien
im Jahre 1821, dem Jahr der Unabhängigkeit Méxicos von Spanien, noch zu
México gehörten. Infolge des mexikanisch-amerikanischen Krieges, der von
1846 bis 1848 dauerte, verlor México die heutigen US-Bundesstaaten
Arizona, Nevada,
New México und Utah an
die USA.
Die Gebiete Kalifornien und Texas
hatten sich schon vorher von México gelöst und den USA angeschlossen.
Die südlichen Nachbarländer sind Guatemala und Belize, die bis zur
Unabhängigkeit Méxicos von Spanien ebenfalls zum Königreich
Neuspanien gehörten.
Der größte Teil Méxicos wird von der Mesa del Norte,
dem nördlichen Teil des zentralen Hochlandes gebildet. Es beginnt im Norden
an der Grenze zu den USA mit
einer Höhe von etwa 1100 m und steigt nach Süden hin auf etwa 2200 m
an. Dieses Hochland wird auf drei Seiten von vulkanischen Gebirgsketten umschlossen.
Im Osten von der Sierra Madre Occidental, im
Westen von der Sierra Madre Oriental und im Süden
von der Sierra Madre del Sur. Der südliche Teil
dieses Hochlandes die Mesa Central
gliedert sich in mehrere kleinere abflusslose Becken, und bildet das eigentliche
Kernland Méxicos.
Der höchste Berg Méxicos, der Pico de Orizaba ist
mit rund 5760 Metern auch der höchste Berg Mittelamerikas und liegt in
der Sierra Madre del Sur. Wesentlich bekannter ist
jedoch der etwa 5450 m hohe Popocatepetl, der
Hausberg der Hauptstadt Méxicos - Ciudad de México
(México-Stadt) -, der ebenso wie viele andere
Vulkane in der Sierra Madre del Sur auch heute noch
vulkanisch aktiv ist.
Südlich der Sierra Madre del Sur liegt die schmalste Stelle Méxicos, der Isthmus von Tehuantepec, der zwischen dem Golf von México und dem Pazifik nur eine Breite von etwa 200 km besitzt. An ihn schließt sich die Sierra Madre de Chiapas an, die im Westen an Guatemala und im Norden an die Halbinsel Yucatán grenzt. Die Halbinsel Yucatán ist eine große Karstebene, deren Kalkstein praktisch keine Wasserläufe zulässt. Die einzigen Wasserstellen in dieser recht trockenen Gegend sind die Cenotes, eingebrochene Karsthöhlen, in deren Tiefe das Grundwasser zugänglich ist. Im Süden und Südosten geht diese Karstebene an der Grenze zu Belize und Guatemala jedoch in einen tropischen Regenwald über. Dieser Regenwald, das heutige Guatemala, das Übergangsgebiet zwischen Regenwald und dem Karstgebiet der Halbinsel Yucatán und in späterer Zeit auch die gesamte Halbinsel Yucatán bildete das Zentrum der Maya Kultur.
Klima:
An der Pazifik- und der Golfküste, östlich der Sierra Madre Occidental bzw. der Sierra Madre Oriental, gehen die Gebirgsketten in flache schmale Küstenstreifen über, die klimatisch völlig verschieden vom zentralen Hochland sind. Insbesondere die Baja California, eine Halbinsel, die den Golf von Kalifornien einschließt, fällt durch ihr extrem trockenes Wüstenklima auf. Die Golfküste ist etwas feuchter, wird jedoch häufig von Wirbelstürmen heimgesucht. Insgesamt herrscht in México ein recht trockenes Klima, da die regenbringenden Nordostpassate die Randgebirge kaum überwinden können, und somit die zentrale Hochebene wenig Feuchtigkeit erhält. Insbesondere der Norden Méxicos und die Halbinsel Yucatán sind von Kakteensteppen und Halbwüsten geprägt. Die Lage Méxicos in der Nähe der Tropen bedingt einen deutlichen Unterschied in der Niederschlagsmenge zwischen der sommerlichen Regenzeit und der von etwa November bis März andauernden Trockenzeit. Die Trockenzeit ist wegen der etwas niedrigeren Temperaturen und der geringeren Niederschlagswahrscheinlichkeit die ideale Reisezeit um México zu besuchen.
Nachfolgend eine kurze tabellarische Aufstellung der langjährigen Durchschnittstemperaturen einiger Orte in México.
| Ort | Jan. | Feb. | Mär. | Apr. | Mai | Jun. | Jul. | Aug. | Sep. | Okt. | Nov. | Dez. | Mittel |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Alle Angaben ohne Gewähr | |||||||||||||
| Acapulco (Pazifik Küste) | 27°C | 27°C | 27°C | 28°C | 29°C | 29°C | 29°C | 29°C | 28°C | 28°C | 28°C | 27°C | 27,7°C |
| México-Stadt (Zentrales-Hochland) | 12°C | 13°C | 16°C | 18°C | 19°C | 19°C | 17°C | 18°C | 18°C | 16°C | 14°C | 13°C | 15,9°C |
| Merida (Golfküste) | 23°C | 24°C | 26°C | 27°C | 28°C | 28°C | 27°C | 27°C | 27°C | 26°C | 24°C | 23°C | 25,8°C |
Die deutlich niedrigeren Temperaturen in México-Stadt im Vergleich zu den beiden Küstenstädten sind durch die deutlich höhere Lage von fast 2500 m gegenüber nur 3 bzw. 30 Metern der beiden anderen Orte bedingt.
Und nun noch eine kurze tabellarische Aufstellung der langjährigen monatlichen Regentage dieser Orte.
| Ort | Jan. | Feb. | Mär. | Apr. | Mai | Jun. | Jul. | Aug. | Sep. | Okt. | Nov. | Dez. | Jahr |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Alle Angaben ohne Gewähr | |||||||||||||
| Acapulco (Pazifik Küste) | 1 | 0 | 0 | 0 | 3 | 13 | 14 | 13 | 16 | 9 | 2 | 1 | 72 |
| México-Stadt (Zentrales-Hochland) | 4 | 5 | 9 | 14 | 17 | 21 | 27 | 27 | 23 | 13 | 6 | 4 | 170 |
| Merida (Golfküste) | 4 | 4 | 3 | 3 | 7 | 12 | 15 | 14 | 16 | 10 | 5 | 5 | 98 |
Wirtschaft:
Nur etwa 13% der Fläche Méxicos lässt sich ackerbaulich nutzen. Daher wurde
von der mexikanischen Regierung in den letzten Jahren die Industrialisierung
stark gefördert. Wurde bis in die 90er Jahre noch ein großer Teil der
Exportgewinne mit Erdöl erwirtschaftet; der größte Abnehmer des Erdöls
war der nördliche Nachbar USA,
so wird derzeit schon über 50% der Erdölförderung im eigenen Land verwendet.
Insbesondere in den an der Grenze zu den USA
angesiedelten Malquadoras profitieren die
amerikanischen Firmen von den wesentlich niedrigeren Löhnen in
México. Diese von der mexikanischen Regierung geförderte
Ansiedlung ausländischer Industriebetriebe, deren Produktion im Wesentlichen für
den US-Markt bestimmt ist, hat sich in den letzten Jahren zu einem Vorbild für
andere lateinamerikanische Regierungen entwickelt.
Trotz dieser wirtschaftlich positiven Entwicklungen ist México
weiterhin von den USA
abhängig - etwa 75% des Außenhandels erfolgt mit den
USA
- und war in den letzten Jahrzehnten nicht in der Lage die sehr hohe Auslandsverschuldung
zu senken. Diese wird sich auch in absehbarer Zeit kaum senken lassen, da ein großer Teil
der Gewinne aus dem Export der eigenen Agrarprodukte durch die Einfuhr von Weizen, Milch
und anderer Lebensmittel aus den USA
wieder verschlungen werden. Die Gewinne aus dem Erdölexport, aus den
Malquadoras und dem in den letzten Jahren immer
wichtiger werdenden Tourismus reichen nicht aus, um das Außenhandelsdefizit auszugleichen.
Die geringen Erträge der mexikanischen Landwirtschaft und die extreme Konzentration
der Bevölkerung auf wenige Zentren ermöglichen keine Selbstversorgung mit Agrarprodukten
und die starke Abhängigkeit von der US-Wirtschaft erschweren eine deutliche Besserung der
mexikanischen Finanzlage.
Bevölkerung:
México ist mit ca. 100 Mio. Bewohnern, das heißt etwa 50 Einwohner je km²,
relativ dünn besiedelt. Beachtet man jedoch dass alleine México-Stadt rund
20 Mio. Einwohner besitzt und auch sonst große Teile der Bevölkerung immer stärker in die Städte
drängen, so erklären sich einige der Probleme in México recht schnell.
Den größten Teil der mexikanischen Bevölkerung bilden die Mestizen,
Nachkommen der spanischen Eroberer und der einheimischen Indigenas.
Sie haben einen Anteil an der Gesamtbevölkerung von über 80%. Reinblütige Indianer und Weiße sind mit
etwa 10% die größten Minderheiten des Landes, wobei Erstere zum ärmsten und Letztere zum reichsten Teil
der Bevölkerung Méxicos gehören.
Rund 90% der mexikanischen Bevölkerung bekennt sich zum katholischen Glauben, dieser ist jedoch in den
ländlichen Regionen Méxicos stark mit alten indianischen Traditionen durchsetzt. Der Rest der
Bevölkerung bekennt sich zum protestantischen Glauben, dem Hinduismus und einigen weiteren Religionen.
In den letzten Jahren haben insbesondere protestantische Kirchen amerikanischen Ursprungs deutliche
Zuwächse verzeichnen können. Diese werden jedoch oft durch die Gewährung finanzieller Vorteile und dem
Angebot einer sozialen Absicherung durch diese Kirchen erkauft.
Zu den wirtschaftlich am wenigsten erschlossenen Regionen gehört der Bundesstaat
Chiapas, in dem die Bevölkerung zum größten Teil zu den
Indigenas gehört. Die wirtschaftliche Vernachlässigung dieses Bundesstaates,
in dem in den 70er Jahren riesige Erdöllager gefunden wurden, führte zu dem Wunsch nach Unabhängigkeit
und den bekannten Guerillaaufständen der Zapatisten.
Geschichte:
Im heutigen México gab es in vorkolumbianischer Zeit insbesondere im 4. bis
9. Jahrhundert mehrere indianische Hochkulturen. In der
Mesa Central ist besonders die Kultur von
Teotihuacán hervorzuheben, deren Zentrum zum Weltkulturerbe
gehört und durch seine großen Pyramiden beeindruckt. In der Gegend von
Oaxaca und in Tehuantepec entwickelte sich
die zapotekische Kultur, an der Golfküste die Kultur der Totonaken und im
Peten, dem Hochland von Chiapas und auf
der Halbinsel Yucatán die bekannteste der mexikanischen Kulturen,
die der Maya. Als Vorläufer all dieser Kulturen gilt die Kultur der
Olmeken, die sich an der Golfküste in den heutigen Bundesstaaten
Veracruz und Tabasco entwickelte.
Im 12. Jahrhundert drangen die Azteken, ebenso wie zuvor die
Tolteken, von Norden kommend in México ein. Sie
errichteten ihr Zentrum Tenochtitlán im südlichen Teil der
Mesa Central auf einer Insel im Texcoco-See.
Heute liegt an dieser Stelle das Zentrum von México-Stadt und nur ein kleiner
Teil, dieser schon die spanischen Eroberer beeindruckenden Stadt, ist heute noch erkennbar.
Als im 16. Jahrhundert die Conquistadoren die schon im Zerfall begriffenen indianischen Reiche endgültig
vernichteten begann eine mehrere Jahrhunderte andauernde Ausbeutung des Landes und seiner Bevölkerung
durch die Spanier. Erst im Jahre 1810 begann die Erhebung der mexikanischen Bevölkerung gegen die
spanische Vorherrschaft. Sie wurde vom Pfarrer Miguel Hidalgo angeführt und
begann als Kampf um die Aufhebung der Sklaverei, für Bodenreformen und weitere soziale Veränderungen.
Der Aufstand endete im Jahre 1821 mit der Unabhängigkeit Méxicos von Spanien, beseitigte jedoch die
sozialen Probleme nicht. Im darauf folgenden Jahr wurde Augustin de Itúrbide
zum Kaiser ausgerufen, musste jedoch schon ein Jahr später zurücktreten. Mit seinem Rücktritt verlor
México die zentralamerikanischen Gebiete, die sich vom México
lösten. Im Jahre 1836 erklärte Texas seine Unabhängigkeit um sich den
USA anzuschließen
und nach einem verlorenen Krieg mit den USA
verlor México 1848 auch noch Arizona,
Nevada, New México und Utah
an die USA.
Auch Kalifornien hatte sich von México gelöst und den
USA angeschlossen.
In der Zeit bis 1876 wurde México von inneren Unruhen erschüttert, die
sowohl zu einem dreijährigen Bürgerkrieg führten, als der zapotekische Indianer
Benito Juárez 1858 als gewählter Präsident Sozialreformen durchführen wollte,
als auch zum Eingreifen des französischen Königs in die mexikanische Herrschaft zugunsten des
österreichischen Erzherzogs Maximilian. Dieser wurde dann 1864 zum Kaiser
gekrönt, nach seiner Gefangennahme durch die Truppen von Juárez im Jahre 1867
jedoch erschossen.
1876 kam dann Porfirio Díaz an die Macht und während seiner Diktatur begann
die wirtschaftliche Entwicklung Méxicos. Die indigene Bevölkerung und große Teile der
Mestizen hatten jedoch keinen Anteil an dieser Entwicklung, sodass sich die
sozialen Spannungen immer mehr verstärkten. Im Jahre 1910 entluden sich diese Spannungen in der
mexikanischen Revolution, der ein 10-jähriger Bürgerkrieg folgte. Erst unter Präsident
Cárdenas wurden erste Maßnahmen zur Agrarreform ergriffen und die
Industrialisierung gefördert, sodass sich nach 1934 die Situation etwas entspannte.
Cárdenas gehörte, ebenso wie alle nachfolgenden Präsidenten, der 1928
gegründeten Partei PRI
(Partido Revolucionario Institucional)
an, die erst 1997 ihre absolute Mehrheit verlor. Da jedoch der größte Teil der Verwaltung und
der Beamten Mitglieder der konservativen PRI
sind, haben die nachfolgenden Regierungen keine großen Veränderungen herbeiführen können.
USA: Vereinigte Staaten von Amerika (United States of America)
PRI: Partei der institutionalisierten Revolution (Partido Revolucionario Institucional)
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