Allgemeine Informationen über Sri Lanka

Flagge von Sri Lanka

Im Herbst 2004 besuchte ich Sri Lanka, ein Land, welches trotz der verheerenden Überschwemmungen an Weihnachten 2004, immer noch eine Reise wert ist. Neben Bildern und einigen persönlichen Erfahrungen habe ich hier auch einige allgemeine Informationen zum Land und den Reisebedingungen zusammengestellt. Alle Angaben sind selbstverständlich ohne jegliche Gewähr.

Geografie:

Karte von Sri Lanka Anuradhapura Bentota Colombo Yala West Nationalpark Dambulla Caves Sigiriya Nuwara Eilya Kandy Polonnaruwa Indien Sri Lanka

Sri Lanka ist die Perle des Indischen Ozeans. Diese Beschreibung des Landes stimmt nicht nur wegen seiner Form, die an einen Tropfen erinnert, der am Südzipfel Indiens hängt, sondern auch wegen seiner tropischen Vegetation und der, leider durch die Flutkatastrophe stark geschädigten, Traumstrände. Da ich noch kurz vor diesem Unglück, welches fast ganz Südostasien erschütterte, in Sri Lanka war, konnte ich einige der wirklich schönen Strände noch in bestem Zustand und ohne viele Touristen erleben, es war halt noch Vorsaison.

Neben der touristisch gut erschlossenen Süd- und Südwestküste hat Sri Lanka im Inneren eine jahrtausendealte Kultur mit beeindruckenden Bauwerken in malerischer Landschaft, sowie ein vom Teeanbau geprägtes Hochland zu bieten. Die Tierwelt in den Nationalparks soll recht vielfältig sein, wovon ich mich leider nur bedingt überzeugen konnte, da die Tour durch den Yala-Nationalpark regelrecht ins Wasser gefallen ist.

Sigirya Teile Sri Lankas, insbesondere das südliche Bergland, sind noch immer von tropischem Regenwald bedeckt. Die Bevölkerung konzentriert sich an der Küste und an einigen Orten im Hochland. Dort insbesondere um Kandy, Nuwara Eliya und Ratnapura - der Edelstein Hochburg in Sri Lanka. In den Nationalparks, von denen jedoch nicht alle zugänglich sind, kann man mit etwas Glück die reichhaltige Tierwelt, und darunter insbesondere die Vogelwelt, beobachten. Insbesondere der Yala-Nationalpark in Südosten der Insel ist touristisch gut erschlossen. Die vielfältige Flora lässt sich am einfachsten in den sehr schönen botanischen Gärten bei Kandy (Peradeniya) und Nuwara Eliya (Hakgala) sowie im Privatpark Brief Garden bei Bentota bewundern.

Klima:

Wie für ein Land in den tropischen Breiten zu erwarten herrscht in Sri Lanka ein Klima ohne größere Temperaturschwankungen. Nur in den Hochlagen sind deutlichere Temperaturunterschiede im Tagesverlauf festzustellen. Da die Temperaturen im Hochland jedoch insgesamt deutlich kühler sind als in Küstennähe ist das dort herrschende Klima für Europäer wesentlich angenehmer. Insbesondere den Engländern schien das nasskalte Wetter um Nuwara Eliya besonders gut zu gefallen, denn sonst hätten sie diese Region nicht mit Sommersitzen, Parks, Golfplätzen und großen Hotels schon im 19. Jahrhundert ihren Wünschen entsprechend ausgestattet. Persönlich bevorzuge ich im Urlaub jedoch Temperaturen über 20°C.

Nachfolgend eine kurze tabellarische Aufstellung der langjährigen Durchschnittstemperaturen einiger Orte in Sri Lanka.

Mittlere Monatstemperaturen ausgewählter Orte in Sri Lanka
Ort Jan.   Feb.   Mär.  Apr.   Mai    Jun.   Jul.    Aug.  Sep.   Okt.   Nov.   Dez.   Mittel  
Alle Angaben ohne Gewähr
Jaffna (Nord Küste) 25°C 26°C 28°C 30°C 30°C 29°C 28°C 28°C 28°C 28°C 26°C 26°C 27,7°C
Mannar (Nordwest Küste) 26°C 27°C 28°C 29°C 30°C 29°C 29°C 28°C 29°C 28°C 27°C 26°C 28,0°C
Trincomalee (Nordost Küste) 26°C 27°C 28°C 29°C 30°C 30°C 30°C 30°C 29°C 28°C 27°C 26°C 28,2°C
Puttalam (West Küste) 25°C 26°C 28°C 28°C 29°C 28°C 28°C 28°C 28°C 27°C 26°C 26°C 27,2°C
Batticaloa (Ost Küste) 25°C 26°C 27°C 28°C 29°C 30°C 29°C 29°C 29°C 28°C 26°C 26°C 27,6°C
Kandy (Zentrum) 24°C 25°C 26°C 26°C 26°C 25°C 25°C 25°C 25°C 24°C 24°C 24°C 24,7°C
Nuwara Eliya (Hochland) 14°C 15°C 15°C 16°C 17°C 16°C 15°C 15°C 15°C 15°C 15°C 15°C 15,2°C
Colombo (West Küste) 26°C 27°C 28°C 28°C 28°C 28°C 27°C 27°C 27°C 27°C 27°C 26°C 27,2°C
Galle (Südwest Küste) 26°C 26°C 27°C 28°C 28°C 27°C 27°C 27°C 27°C 26°C 26°C 26°C 26,7°C
Hambantota (Südost Küste) 26°C 27°C 27°C 28°C 28°C 28°C 28°C 28°C 27°C 27°C 27°C 26°C 27,2°C

Die deutlich niedrigeren Temperaturen in Nuwara Elia im Vergleich zu den Küstenstädten sind durch die deutlich höhere Lage von fast 2000 m gegenüber nur einigen Metern der anderen Orte bedingt. Auch Kandy liegt im Landesinneren, und somit etwas höher als die Küstenstädte, jedoch liegt es in einem Talkessel auf nur etwa 500 Metern Höhe. Somit herrschen in Kandy relativ warme 25 Grad, die über das ganze Jahr ziemlich konstant bleiben.

Und nun noch eine kurze tabellarische Aufstellung der langjährigen monatlichen Regentage einiger Orte.

Mittlere Monatsniederschlagshäufigkeiten einiger Orte in Sri Lanka
Ort Jan.   Feb.   Mär.  Apr.   Mai    Jun.   Jul.    Aug.  Sep.   Okt.   Nov.   Dez.   Jahr  
Alle Angaben ohne Gewähr
Trincomalee (Nordost Küste) 13 6 5 7 6 2 4 7 6 16 19 18 109
Nuwara Eliya (Hochland) 13 9 11 16 17 24 22 22 20 21 21 17 213
Colombo (West Küste) 8 7 11 18 23 22 15 15 17 21 19 12 188
Hambantota (Südost Küste) 9 5 7 10 12 12 7 8 8 13 15 12 118

Wirtschaft:

Arbeiter in Colombo Neben der tropischen Natur und dem damit relativ wichtigen Tourismus hat Sri Lanka kaum wirtschaftlich wichtige Resourcen. Tee, für den Sri Lanka unter seinem alten Namen Ceylon bekannt ist, ist immer noch das wichtigste Exportgut des Landes. Vor einigen Jahrzehnten erwirtschafteten die Teeplantagen noch über 50% der Deviseneinahmen. Heute erbringt der Teeanbau auf dem Weltmarkt jedoch kaum genug Einkünfte, um die Arbeiter ordentlich zu bezahlen. Der Lohn einer Teepflückerin reicht nicht aus, um eine Familie zu ernähren. Der Lohn ist also nur als Zuverdienst zu betrachten. Auch die Edel- und Halbedelsteine, die in Sri Lanka gewonnen werden, werden meist nicht im Lande verarbeitet und erbringen somit nur geringe Gewinne. Industrie ist in Sri Lanka kaum vorhanden, und so muss das Land fast alle Gebrauchsgüter importieren. Der Zusammenbuch des Tourismus im Dezember 2004 hat dieses Land, von allen durch den Tsunami betroffenen ostasiatischen Ländern, am stärksten getroffen, da die Tourismusindustrie in den letzten Jahren etwa ein Drittel des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftete. Letzteres ist um so erstaunlicher, als nur ein Teil des Landes touristisch erschlossen ist. Leider ist die Landwirtschaft in Sri Lanka bedingt durch die überwiegende Plantagenwirtschaft nicht in der Lage die gesamte Bevölkerung aus eigener Kraft zu versorgen, sodass insbesondere Reis importiert werden muss.

Bevölkerung:

Sri Lanka ist mit ca. 20 Mio. Bewohnern und einer Fläche von 65.525 km², das heißt etwa 300 Einwohner je km², deutlich dichter besiedelt als Deutschland mit einer Bevölkerungsdichte von ca. 200 Einwohnern je km². Da sich diese Bevölkerung an einigen Orten an der Küste - insbesondere in und um Colombo - konzentriert, sind jedoch auch einige recht große Gebiete unbesiedelt und als Nationalparks geschützt. Die zwei wesentlichen Bevölkerungsgruppen der Singhalesen und Tamilen besiedeln dabei unterschiedliche Gebiete. Der Norden Sri Lankas mit der Hafenstadt Jaffna und der Osten mit den Städten Trincomalee und Batticaloa wird von den Tamilen beherrscht, die etwa 17% der Gesamtbevölkerung stellen. Die Westküste mit der Hauptstadt Colombo und die Südküste mit ihren vielen Touristenzentren wird von den Singhalesen bewohnt und auch im zentralen Hochland um Kandy bestimmen die Singhalesen. Einzig im Zentrum des Hochland-Teeanbaus um Nuwara Eliya leben beide Bevölkerungsgruppen nebeneinander, wobei auch hier die Singhalesen, die etwa 70% der Gesamtbevölkerung ausmachen, die Mehrheit bilden. Bei den in dieser Region siedelnden Tamilen handelt es sich jedoch um so genannte Indian Tamils, die erst während der britischen Kolonialzeit nach Sri Lanka gekommen sind. Die verbleibenden ca. 13% der Gesamtbevölkerung besteht zum größten Teil aus arabisch- und europäisch-stämmigen Einwanderern, sowie Indern und Chinesen die als Händler in den großen Städten tätig sind.

Geschichte:

Sri Lanka wurde in mehreren Wellen von Indien aus besiedelt. Einer Legende zufolge erreichte Prinz Vijaya im Jahre 483, aus Nordindien kommend, mit 700 Kriegern Sri Lanka. Er soll angeblich der Enkel eines Löwen (singha oder sinha auf singhalesisch) gewesen sein, woher sich auch der Name der Singhalesen (der Löwenmenschen) herleitet. Die singhalesischen Könige und somit auch ein Großteil der Bevölkerung nahm um etwa 200 vor Christus den buddhistischen Glauben an. Etwa um dieselbe Zeit wanderten Tamilen aus Südindien ein, die dem Hinduismus anhängen. Damit begann auch der bis in die heutige Zeit reichende Konflikt zwischen Singhalesen und Tamilen. Wobei Erstere die Tamilen als Eindringlinge bezeichnen, und Letztere jahrhundertelang ihren Einflussbereich auch mit militärischen Mitteln versuchten auszudehnen. Um 250 vor Christus begann die erste Blütezeit der singhalesischen Hochkultur, die bis etwa 1000 nach Christus andauerte. Diese Periode wird nach der Königsstadt dieser Zeit auch als Anuradhapura-Periode bezeichnet. Einige der religiösen Bauwerke der Königsstadt sind auf dem etwa 40km² großen Ruinenfeld bei Anuradhapura zu besichtigen. Profanbauten haben sich praktisch keine erhalten, da nur Tempel, Klöster, Dagobas und einige wenige Palastbauten aus Stein errichtet wurden. Durch das Vordringen der Tamilen nach Süden musste die Hauptstadt im Jahre 1017 nach Christus verlassen werden.

Pollonaruwa Als neue Königsstadt der Singhalesen wurde Polonnaruwa, die der Zeit bis 1235 ihren Namen gab, ausgebaut. Sie lag wesentlich weiter in Süden und näher an der Ostküste als die alte Königsstadt Anuradhapura. Lange konnten die Singhalesen diese Hauptstadt jedoch nicht halten, und schon im Jahre 1211 nach Christus dehnten tamilische Herrscher ihren Machtbereich bis in diese Region aus. Etwa 100 Jahre später wurde Polonnaruwa vollständig verlassen und vom Urwald überwuchert. Seit jener Zeit wird der Norden und Osten Sri Lankas von den Tamilen besiedelt und der Westen, das Zentrum und die Südküste von den Singhalesen. Durch die unterschiedliche Religion und Herkunft der Bevölkerungsgruppen ist eine Verständigung bis in unsere Zeit schwierig geblieben. Auch die Kolonialzeit, die 1517 mit den Portugiesen begann, von 1658 bis 1796 von den Holländern - insbesondere der Ostindien Kompanie - geprägt wurde und von 1802 bis zur Selbstständigkeit Sri Lankas im Jahre 1948 von den Briten bestimmt wurde, konnte an diesem schwelenden Konflikt nichts ändern. Insbesondere die Engländer verschärften die Probleme noch, als sie Tamilen aus Südindien als billige Arbeitskräfte für ihre Teeplantagen nach Sri Lanka holten. Im Jahre 1983 begann der blutige Aufstand der Tamilen, der bis in die letzten Jahre hinein einen Besuch der Nord- und Ostküste für Touristen unmöglich machte. Seit Verhandlungen unter internationaler Vermittlung begonnen haben hat sich die Lage deutlich entspannt, so daß seit Mitte 2004 einige Reiseveranstalter die an der Ostküste gelegene Hafenstadt Trincomalee wieder in ihr Angebot aufgenommen haben. Bis jedoch die in den 80 Jahren bei Individualtouristen beliebten Strände der Ostküste alle wieder erreichbar sind dürften noch einige Jahre vergehen. Selbst wenn die Verhandlungen zu einem Friedensabkommen führen sollten, sind die Schäden die der Tsunami Weihnachten 2004 verursachte nicht so schnell zu beseitigen. Möglicherweise wird die von der Sri Lankischen Verwaltung teilweise schlecht organisierte Hilfe, die den Norden und Osten des Landes deutlich schlechter erreicht, als die durch die bessere Infrastruktur leichter zugänglichen Touristengebiete im Süden die Spannungen wieder aufleben lassen.